Luzerner Ölhändler geht fremd

Oktober 19, 2015   |  

Luzerner Ölhändler geht fremd

ENERGIE Ende Mai gaben Schätzle und Burri & Lötscher ihre gemeinsame Zukunft bekannt. Das geschah nicht aus wirtschaftlichem Druck. Vielmehr hat es auch mit dem Energiewandel zu tun.

Die Luzerner Mineralölfirma Schätzle AG wird neu Mehrheitsaktionärin des Megger Traditionsunternehmens Burri & Lötscher AG. Da drängt sich die Frage auf: Wie kommt Schätzle dazu, einen Sanitär- und Heizungsinstallateur zu übernehmen? «Wir haben im Verwaltungsrat bereits vor drei Jahren beschlossen, dass wir ein weiteres Standbein wollen», sagt Patrick Schätzle (44), Mitglied der Geschäftsleitung und Marketingleiter von Schätzle. «Also haben wir geschaut, was für uns am meisten Sinn machen würde – und sind unter anderem auf die Heizungsbranche gestossen», sagt der Neu-Verwaltungsrat von Burri & Lötscher. Hier haben die Schätzle-Verantwortlichen am meisten Potenzial gesehen, ihr Kundennetz zu nutzen und zusätzliche Dienstleistungen zu verkaufen. «Heizungen wird es immer brauchen, und viele Leute kennen wir bereits, da sie ihr Heizöl von uns beziehen», erklärt Patrick Schätzle.

Alternative Energien im Aufwind Spielte also auch ein Wandel in der Energiebranche eine Rolle beim Entscheid? «Ja», sagt Patrick Schätzle. «Die alternativen Energien, etwa Erdwärme oder Solaranlagen, sind im Trend – vor allem bei Neubauten», sagt Schätzle. Doch auch bei Sanierungen von Heizungen äusserten Kunden regelmässig – auch als Ergänzung – den Wunsch nach alternativen Energiequellen. «Hier sehen wir nun die Möglichkeit mit Burri & Lötscher, diese Leute beraten und bedienen zu können», sagt Patrick Schätzle. Neben traditionellen Heizungen (Öl und Gas) installiert Burri & Lötscher auch alternative Systeme wie Holzheizungen oder Solar- und Wärmepumpenanlagen.

In Schweizer Haushalten wird immer noch grösstenteils mit Öl geheizt (siehe Grafik). Doch einen Trend hin zu alternativen Heizsystemen sieht man auch bei der Dienststelle Umwelt und Energie Luzern (Uwe). «Insbesondere bei Neubauten ist ein deutlicher Trend, etwa zur Wärmepumpe, zu erkennen», sagt Natalie Kamber von der Uwe. Bei Energie Wasser Luzern (EWL) bestätigt man diese Entwicklung für Privathaushalte. Denn man müsse unterscheiden: In der Industrie blieben nach wie vor Öl, Gas und Holz zentral. Der Grund: Hier braucht es vor allem Hochtemperaturen, zirka ab 80 Grad Celsius. Bei solchen Temperaturen ist ein Zurückgreifen auf alternative Energien laut EWL nicht mehr sinnvoll. Ölheizungen seien heute ökologisch auch besser verträglich, sagt Patrick Schätze, da sie heute deutlich effizienter seien als noch vor zwanzig Jahren. «Es macht auch durchaus Sinn, diese Systeme beispielsweise mit Solaranlagen zu kombinieren», sagt Schätzle. Solche Installationen bietet Burri & Lötscher an.

Die Geschäftsleiter bleiben an Bord, Patrick Schätzle ist auch deshalb froh, dass die beiden Geschäftsführer, Andreas Burri (57) und Beat Lötscher (58), weiterhin im Boot bleiben, «denn die Sanitär- und Heizungsbranche gehört bisher nicht zu unserem Kerngeschäft».

Die Schätzle AG betreibt in der ganzen Zentralschweiz rund 100 Avia-Tankstellen und handelt mit Treib-, Brenn- und Schmierstoffen. Darüber hinaus macht Schätzle Tankrevisionen. Doch auch Beat Lötscher, Geschäftsführer und Mitinhaber von Burri & Lötscher, ist zufrieden: «Für uns ist das eine optimale Lösung. Wir sind froh, können wir unser Unternehmen in die Hände einer eingesessenen Luzerner Firma geben», sagt Lötscher. Und: «Wir haben nicht aus wirtschaftlichem Druck verkauft», betont er. «Sondern wir wollten die Zukunft der Firma frühzeitig aufgleisen», sagt Lötscher.

«Siebter Sinn» hat entschieden Mit «wir» meint er sich und seinen Geschäftspartner Andreas Burri. Mitinhaber Burri entstammt der Gründerfamilie des Familienbetriebs. Seit 1987 leiten Burri und Lötscher das Unternehmen zusammen. Beide werden den Betrieb – auch nach dem Einstieg durch Schätzle – noch ein paar Jahre weiterführen. Alle 38 Mitarbeiter behalten ihre Stelle, und auch die Marke Burri & Lötscher verschwindet nicht. Wie kam der Deal mit Schätzle zu Stande? Es sei alles respektvoll abgelaufen, sagen beide beteiligten Seiten. «Nach dem strategischen Entscheid haben wir eine Treuhandfirma beauftragt, eine Heizungsfirma in der Zentralschweiz zu suchen. Alles geschah anonymisiert», erzählt Patrick Schätzle. Es seien verschiedene Firmen angeschrieben worden, so auch Burri & Lötscher. Beat Lötscher erinnert sich genau: «Wir wurden schon zuvor mehrfach angefragt, ob wir verkaufen möchten, doch bis dahin lehnten wir stets ab», sagt er. «Als ich aber diese Anfrage erhielt und klar wurde, dass es sich bei den Interessenten um ein Luzerner Familienunternehmen handelt – wir wussten zu dem Zeitpunkt nicht, um welches –, sagte mir mein siebter Sinn, dass ich antworten muss», erinnert sich Lötscher. Die Verhandlungen dauerten ein paar Monate, man habe sich aber relativ schnell gefunden. Dass er weiterhin Verwaltungsratspräsident bleibe, zeige, dass Schätzle volles Vertrauen in das jetzige Geschäftsmodell und die Mitarbeiter habe, sagt Beat Lötscher.

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